Popannes' Blog

Wake up!

Posted in Uncategorized by popannes on Dezember 29, 2011

Ich suche das Äquivalent meiner Wünsche. Das Original ging mir verloren. Und so kann ich nur im Geiste rekonstruieren: Das Unkonkrete. Den Zustand, der schneller als das Licht, schneller als jeder Traum mir entgegeneilt und dessen Weg ich nicht kenne.

“Wer ist schon glücklich? Wer hat das, was er will? Wer wacht in von Glück getränkten Betten auf und kann dem Alltag entgegen streben, obwohl er die Augen öffnen muss? Wer schreibt sein eigenes Drehbuch und verliert darin nicht die Sinnhaftigkeit seines Seins?” Magdalena nippte an ihrem Eistee und zusammen oder genau wegen der Sonne blendeten kleine Tränen ihre Augen.

“Man fühlt doch nur. Man ist getrieben davon – ich nehme mich davon nicht aus – man glaubt, schnelle Sprünge bringen voran. Das mag auch so sein, denn schon kurz nachdem man den Boden wieder berührt hat, befindet man sich in einer neuen Spur. Ob diese aber die richtige ist mag man erst hinterfragen, wenn sie entgegen des früheren Wunsches die Falsche war.”, antwortete Anja während sie die Sonnenbrille aufsetzte. ”Manchmal hat man Glück und es war der richtige Sprung.”

“Ich mag diese Metapher nicht: Das Leben als Weg. Es stimmt einfach nicht. Nur weil das Leben einen Start hat, muss es noch lange kein Ziel haben. Und das Ziel ist, sofern man es jemals findet, niemals das Ende. Wir müssen uns keiner chinesischen Weisheiten bedienen, um zu beschreiben, dass das grade keinen Sinn macht.”, erwiderte Magdalena kühl.

“Worin siehst du dann den Sinn?”

“Ich sehe ihn eben nicht. Wir sitzen hier in der Sonne, wir laufen den Strand entlang und sehen aus wie in einem billigen Werbespot: Bikinifigur, große Sonnenbrillen und ein Cocktailglas in der Hand. Wir kombinieren oberflächlichen Genuss mit scheinbarer Sorglosigkeit und schicken Urlaubsbilder in die Heimat, mit dem Zweck jenen ein erfülltes Leben vorzugaukeln, die wir sehnlichst und jede Sekunde vermissen. Wir sind einsam geworden. Die Fremde macht uns das nur noch bewusster.”

“Die Traurigen, die ewig Sinnsuchenden, die Gefallenen gefallen doch nicht. Viel zu sehr ziehen sie uns an den eigenen Abgrund, dessen Klippen wir mit einer Mauer aus Verblendung und Frohmut vor dem plötzlichen Fall abgesichert haben.”, sagte Anja. “Was spricht eben gegen diesen Fall? Man würde ihn doch zusammen nehmen. Und wer weiß, vielleicht liegt dahinter etwas Neues?”, Magdas Tränen zauberten bunte Lichtspiele auf ihrer Netzhaut. Wären wir Optimisten, wir würden darin Visionen sehen.

“Wie war das mit den chinesischen Weisheiten?” Anja lächelte, legte ihre Sonnenbrille ab und ging zum Wasser.  Anja lächelte immer, denn so schien es, sie hatte die größte Mauer gebaut. Mit variablen Bauteilen, die sie immer wieder neu kombinieren und den jeweiligen Situationen anpassen konnte. Tetris war dagegen eine Meisterleistung.

“Was für ein Gesulze. Dein Blog verkommt zu einer Sammlung billiger Kalendersprüchen.”, sagte die Welt, die sich das alles angeschaut hatte. “Da krieg ich Depressionen und Pickel. Nur Montage sind deprimierender. Geh doch mal raus und such das Glück. Ich kenne da Ecken und Orte, wo die Sonne noch scheint. Vielleicht schreibst du dann mal wieder über Tiere, Torten und Tunten.”

Popannes schaute sie entgeistert an. “Das ist mein Blog! Damit kann ich machen was ich will. Und wenn ich dich anhalte, dann kannst du auch nichts dagegen machen. Ich konserviere dich in deiner Bewegungslosigkeit.”

Die Welt lächelte, nahm ihre Tasche und ging zur Tür. Im Hinausgehen drehte sie den Kopf nochmal und antwortete: “Haha, konserviere mich nur. Fakt ist: Ich drehe mich trotzdem weiter. Wake up!”

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