Amnesty Amnesia.
Ich versuche mich zu erinnern. Ich kann nur daran denken.
Zwischen erinnern und daran denken liegt eine Tasche Gefühle. Abgestellt und vergessen. In der U-Bahn. Im Taxi. Irgendwo auf dem Weg.
Wenn das was mir die Reise so schwer gemacht hat, heute nicht mehr bedeutet als ein Regenschirm, was hat mich um den Schlaf gebracht? Wenn auch nachts die Sonne scheint, dann weiß ich nicht mehr wann es zuletzt geregnet hat. Und selbst wenn dieser Schirm Schatten spendete, kann ich seinen Schatten nicht mehr erinnern.
Im Hintergrund trällerten die Schlager einer neuen Zeit. In Watte gepackt und in Schmalz gebadet änderten sie die Regeln. Die Welt drehte sich auf dem Plattenteller und wechselte die Tonspur im Sekundentakt. Dabei jauchzte und jaulte sie wie eine dicke Diva im Tuntenkostüm.
Schneller? Schneller!
Gläser prosten. Beine springen.
Hände klatschen. Lieder singen.
Stimmen kreischen. Herzen klingen.
Natürlich hatte die Welt zu viel getrunken.
Natürlich hatte sie gefeiert, gekifft, geraucht und gezogen.
Natürlich hatte sie geküsst. In jeder Ecke des Clubs. Auf jedem Tresen der Welt.
Und nur diese Zeile feiert sich selbst. Zurecht. Warum? Sie ist die längste seit Langem.
Oh!
Oh
O
. <– und sie ist die Kürzeste. Egal! Weiter gehts!
“Warum müssen Geschichten zu Geschichten führen? Warum muss alles einen Sinn ergeben? Warum kann man aus allem lernen? Warum ist alles für irgendwas gut? Irgendwas, was ist das schon?
Ich wollte vergessen. Heute kann ich mich nicht erinnern. Ich frage mich schmerzlich warum ES das eben nicht tut. Dabei lache ich. Aus vollem Herzen.
Warum schreiben Menschen “:)” wenn ihnen nichts einfällt? Warum zeichnen Menschen Herzen, obwohl sie keine Ahnung davon haben?
Warum schmeckt Schnapps so scheußlich und ist trotzdem so gut?
Warum? Warum? Warum ein Warum?”
Das letzte Lied war längst vorbei und die Welt lag selig unterm Tresen. Sie schlief nicht. Die Welt schläft nie. Selbst als sie benebelt fremde Füße leckte, steckte etwas Bedeutsames darin.
Das ist die Welt. Die Welt!
Popannes beugte sich zu ihr, legte seinen Arm unter die Schwere des Kopfes. Nie war sie ihm leichter erschienen. Nie freudiger. Die Welt lachte. Von ABBA bis Zappa, von Anus bis Zwölffingerdarm. Von Armenien bis Zypern. Das ist nicht weit, aber weiter als jedes dumme Arschloch dieser Welt springen kann.
“Komm hoch. Wir gehen heim”
“Schon zu Ende?”, lallte die Welt ihm entgegen.
“Für heute.”
“Und morgen geht’s weiter?”
“Morgen geht’s bestimmt weiter.”, antwortete Popannes während er zwischen Barhocker und Tresen an der Strahlenden Welt zog.
“Aber heute ist doch schon morgen!”
“Du hast Recht. irgendwo auf der Welt ist immer morgen schon heute.”
Die Welt schaute Popannes irritiert an, denn sie verstand sich für eine Sekunde selbst nicht mehr. Sie hebte ihr Bein, kletterte in Richtung oben und als die kleinen Äuglein den Barmann erblickte, der soeben eine Flasche Schnapps in der Hand hielt, lallte sie noch einmal:
“Darauf sollten wir noch einmal vergessen.”
Und das noch einmal hören:
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