Schwarz ist die Wahrheit.
We only said goodbye with words
I died a hundred times
You go back to her
And I go back to black. (A.W.)
Schwarz ist die Nacht.
Schwarz ist meine Seele.
Schwarz ist die Hoffnung.
Once you went black, you’ll never go back?
S-Cat stand am Tresen und rührte in ihrer Rhabarber-Schorle mit einem Spritzer Wodka. Manchmal drehte sie sich um, schaute auf die Männer und dachte manikalyptisch: “Schart euch um mich. Schert euch um nix.” S-Cat war die neue S-Klasse. Eine ganze Generation nach Sabrina Setlur. Eine Klasse für sich. Wenn sie stand, stand sie. Wenn sie ging, ging sie. Wenn sie saß, las sie.
“Es gibt keine halben Sachen. Es sei denn man trennt sie. Ich spalte nicht. Weil ich nichts zusammenfüge. Ich kombiniere nicht, Kollektivität trägt nicht meine Handschrift.” Sie nahm einen Schluck Seligkeit und lächelte frech in die Runde, fast so als wollte sie sagen: “Ride me like a pony.”
Popannes saß auf seinem Kashmir-Sofa, während der Regen den Restalkohol dahin wusch. Auf pink folgt grau. Auf grau schwarz. Manchmal streut man auf das Schwarz ein bisschen Glitter. Dann funkelt die dumpfe Masse für ein paar Lichtsekunden, die Lider schließen sich und durch die bunte Regenbogenhaut dringt nicht mehr als eine schale Erinnerung.
Black Velvet.
Der feine Herr Dienstag blickte gebannt auf den Börsen-Ticker. Und während die Kurse nach unten schnallten, brannte man seine Stadt ab. Der feine Herr Dienstag hatte Mitleid: Mit den Kursen, mit den Konten, mit dem Kapitalismus. Er kippte sich ein bisschen Prosecco ein und nippte echauffiert dem lodernden Inferno entgegen.
S-Cat schnurrte. Mit der Welt. Die Börse war ihr egal.
Popannes ritt ein waghalsiges Kunststück. Der Regenbogen führte unweigerlich in die schwarze Masse. Die schwarze Masse unweigerlich in neue Denkschubladen. Und die neuen Denkschubladen in eine neue Zeit.
Per aspera ad astra.
Auf das Schwarz folgte ein Tag. An dem man von Neuem die alten Ressentiments in die gleissende Sommerhitze hängte und an seinen festgefahrenen Denkmustern weiter strickte. An dem das Licht die Zweifel übertünchte, an dem Schlagwörter zu Parolen avancierten.
Die Welt hatte sich auch an diesem Tag nicht verändert. Warum auch? Sie spazierte ungeachtet aller Turbulenzen durch das Sonnenlicht und den Regen, durch die Minuten und Stunden und blickte gelassen auf sich selbst.
Seit immer.
Und weiter?
Abends, wenn das Schwarz zurückkehrt, dann werden aus Gedanken Geschichten, aus kleinen Ängsten großer Mut, aus Vorhaben Pläne.
Die Nacht ist ein gutes Versteck. Für Einbrüche. Für ungestillte Sehnsüchte. Für die Wahrheit.
“Schade eigentlich”, sagte S-Cat, “dass morgen alles schon wieder beim Alten ist.”
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