Popannes' Blog

Dienstag, 5. Juli 2011.

Posted in Uncategorized by popannes on Juli 5, 2011

„Ich liebe dich wie eine Katze.

Nicht ich bin die Katze, sondern du. Ich kenne keine Katze persönlich. Nicht eine auf dieser Welt. Ich weiß wie sie aussehen. Ich hatte schon einmal eine auf dem Arm. Nicht lange. Nicht lange genug um heute sagen zu können wie sich eine Katze genau anfühlt. Zwischen uns beiden hat sich keine Stimmung entfaltet. Keine Zwischenmenschlichkeit. Keine Zwischenkatzlichkeit. Lass es fünf Minuten gewesen sein, in denen wir uns näher kamen. Dann war sie weg. Ich war weg. Ein kurzes Schauspiel. Kein Drama!

Ich liebe dich wie eine Katze. Wenn du da bist, dann nehme ich dich in den Arm. Ich streichle dich. Mit ein bisschen Gefühl. Zwischen meinen Fingern und deiner Haut entladen sich ein paar Elektronen, bis du von mir springst und deinen Weg gehst. Ich erinnere mich an dich. Ich weiß wie du aussiehst, wie du dich anfühlst, wie du mir vorgaukelst mich zu lieben, um Zärtlichkeiten zu empfangen, wie du Nachts durch die Gegend streunst und dann wieder heimkommst, ganz leise, und das Schauspiel von Neuem beginnt.

Ich habe dich nie geliebt. Ich habe dich nur genossen. Ich habe dich missbraucht, wie du mich missbraucht hast. Wir haben uns belogen. Weil wir wussten, dass es das braucht. Wir hätten die Lügen aufheben können. Ein Wort und aus deiner und meiner Lüge wird eine Wahrheit? Daran haben wir beide nicht geglaubt. Liebe ist keine Rechenaufgabe. Und obwohl wir an unsere eigenen Lügen geglaubt haben, haben wir an der des anderen festgehalten? Weil das unser Spiel war. Unser Drama.

Manchmal, wenn du schläfst. Morgens. Und nackt auf dem Bauch liegst. Dann betrachte ich dein Arschloch. Du zeigst es mir nicht. Ich schiebe deine Backen auseinander und blicke hinein. Nur so zum Spaß. Es gefällt mir. Es lächelt mich an. Wie eine alte Frau. Es begrüßt den Tag mit mir. Ich grüße dein Arschloch, die alte Frau, ich gebe ihm Namen. Morgens erinnert dein Arschloch nicht mehr an das, was es Nachts zuvor getan hat. Unschuldig eröffnet es den Tag.

Dann denke ich an Frau Müller aus der Bäckerei, wie sie morgens die Brötchen holt. Im geblümten Kleid und der grauen Mütze. Ich kneife die Augen zusammen und stelle mir vor, was sie gemacht hat. Früher. Als sie noch schuldig war. Als sie im Bett noch geschrien hat und Dinge an die ich gar nicht denken will. Heute steht sie im geblümten Kleid in der Bäckerei, lächelt mich an, geht nach Hause und bereitet das Frühstück zu. Lachs mit Meerrettich.

Du weißt nicht, dass ich dein Arschloch betrachte. Du weißt nicht, dass in meinem Kopf zwischen deinem Arschloch und einer Frau Müller ein untrennbarer Zusammenhang besteht: Beide begrüßen mit mir den Tag. Jeder auf seine Weise. Und beide sind mir morgens unendlich fremd.

Du bist eine Katze. Erst wenn du gehst, dann sehe ich dein Lächeln.”

Die Welt hielt fassungslos an den Seiten fest. Sie hatte das Buch aufgelesen. Hinter einer Parkbank hatte es gelegen und sie überlegte, was sie damit machen sollte. Es stand kein Name drin. Vielleicht auch gut. Das Buch wieder an den Platz legen? Damit irgendjemand das läse? Damit irgendeine dumme Jugendgruppe Gesprächsstoff für die nächsten drei Jahre haben würde? Wohl kaum!

Sie nahm das Buch an sich, trug es nach Hause und stellte es ins Regal. Zu den anderen Wertgegenständen, die sie dem Fundbüro nicht zumuten wollte. Aus der Schublade holte sie Sprühkleber und besprühte jede einzelne Seite, bis alle Seiten zu einem großen Ganzen verklebten.

Bis eine Liebesgeschichte konserviert ein Ende fand.

Die Gedanken blieben. Die Worte fehlten.

Nur eines konnte die Welt fortan nicht mehr: Alte Frauen in Bäckereien betrachten.

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